Constanze Zacharias


Constanze Zacharias ist Fotografin, Bildende Künstlerin, Musikerin und Dichterin. Seit ihrem Abitur eignet sie sich als Autodidaktin ihr Wissen und ihre Fertigkeiten selbstständig an. Mit 19 Jahren gründete sie in ihrem Heimatort Langensteinbach zusammen mit Tobias Talbot und Nemanja Sarbajic die Alte Apotheke, ein Kollektiv für junge Künstler*innen und ein Ausstellungsort, der durch alle Generationen hinweg großen Anklang fand und bis 2013 andauerte. Heute lebt sie in Weimar und Karlsruhe und arbeitet überall. Zacharias ist Mitorganisatorin des jährlich stattfindenden Nordbecken-Festivals. Das Nordbecken ist die Weiterführung des Kollektivs der Alten Apotheke im Karlsruher Rheinhafen. Bei Veranstaltungen und Ausstellungen, die sie mitorganisiert, wird das Publikum stets herzlich empfangen und zum Diskurs angeregt.

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Kunstwerke

Lost print (dark)
2015, 10x13 cm, 180€

Lost print (light)
2015, 13x10 cm, 180€

Schemen
2015, 21x27 cm, 250€

Serie: #keys
2014, 15x10 cm, 160€

„EIN LÖFFEL ODER EIN STUHL BEGEISTERN MICH NUNMAL MEHR ALS EIN SMARTPHONE.“ 

ÜBER DIE ARBEIT VON CONSTANZE ZACHARIAS


von Norina Quinte


Zwar mag sie sich das selbst erst seit wenigen Jahren eingestehen, doch lässt sich an ihrem Werdegang deutlich erkennen, mit welcher Konsequenz Constanze Zacharias ihre künstlerische Arbeit voranbrachte. Anders als sämtliche Menschen in ihrem Umfeld, die eine Lehre oder ein Studium absolvierten, entschied sie sich bewusst gegen das gängige Modell einer institutionellen Ausbildung. So ging sie – in unserer an Leistungsnachweisen orientierten Gesellschaft – den wohl schwierigsten Weg der Ausbildung und wählte: die eigene Schule, das Selbststudium.


Als Kind einer Musikerfamilie war Zacharias stets von Künsten umgeben, was ihren Lebenslauf stark geprägt zu haben scheint. Bereits direkt nach dem Abitur in Langensteinbach begann sie dort, gemeinsam mit zwei Freunden, Tobias Talbot und Nemanja Sarbajic, Veranstaltungen in einer ehemaligen Apotheke zu organisieren. Unter dem Namen der alten Apotheke konzipierten sie ab 2004 Ausstellungen, welche stets in ein größeres, künstlerisches Rahmenprogramm eingebettet waren. Konzerte, Grafitti, Sound- und Literaturbeiträge sowie Gedichtswettbewerbe trugen dazu bei, dass schon in den frühen Aktionen der Künstler*innengruppe die soziale Komponente zum Ausdruck kam. Zacharias erinnert sich noch heute, dass die erste Veranstaltung mit rund 70 BesucherInnen von Menschen aller Altersgruppen besucht wurde. Durch die Durchmischung der Künste, welcher Aspekt sich bis heute wie ein roter Faden durch das Schaffensfeld der Künstlerin zieht, gelang ein Austausch der Künstler*innen und Besucher*innen untereinander. Es wurden rauschende Feste gefeiert und dadurch für viele Gäste ein erster Zugang zu Kunst und den ausgestellten Werken geschaffen. „Warum entweder oder, kann doch sowohl als auch sein. Es kann gute Kunst gezeigt werden und ein Fest daraus werden.“ so Zacharias Einstellung. 


Über die Jahre schärfte sich das Profil der alten Apotheke, die ausgestellten Werke gewannen an Qualität, die Hängung wirkte durchdachter. Nicht nur die Initiator*innen selbst stellten aus, ebenso waren Gäste stets willkommen ihre künstlerischen Positionen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Talbot und Sarbajic begannen Kunst an der Akademie zu studieren, Zacharias, stets im Dialog mit ihren Künstlerfreund*innen, widmete sich die ersten Jahre der Fotografie – natürlich im Selbststudium. Mit Hilfe ihrer Kamera hielt sie Szenen aus ihrem Umfeld fest, machte Aufnahmen der Veranstaltungen und portraitierte Menschen. Sie verzichtet in ihren fotografischen Arbeiten gänzlich auf Farbe, wodurch Komposition und Bildmotiv an Klarheit gewinnen und in den Vordergrund treten.

2011 verwandelte sich die Künstler*innengruppe der alten Apotheke in das Studio Nordbecken. Eine Atelierfläche im Industriegebiet des Karlsruher Rheinhafens. Dort findet jährlich das Nordbecken Festival statt, ein einwöchiges Happening, das verschiedenste Kunstformen verbindet. Neben ausgestellten Werken der dort arbeitenden Künstler*innen gibt es Performances, Lesungen, Konzerte und Diskussionsrunden. Zu jedem Festival gibt es einen eigens zusammengestellten Soundtrack auf CD, wie es sie bereits zu den Veranstaltungen in der alten Apotheke gab. Brot, Käse und Wein für die Gäste sind aufgetischt. Alle sind willkommen, auch da sind sich die Organisator*innen treu geblieben. „Niemand auf dieser Welt hat etwas davon, wenn die Leute zu Ego-Shootern erzogen werden.“(Zitat) Dies stellt einmal mehr unter Beweis, dass Zacharias Gastgebertum Teil ihres künstlerischen Handelns ist.


Das dokumentarische Bild und die Auseinandersetzung mit Kompositionen führten sie schließlich an das Lichtdruckverfahren „Cyanotypie“, wofür sie eine große Leidenschaft entwickelte. Hierbei wird Papier durch eine Lösung aus Ammoniumeisen(III)-citrat und Kaliumhexacyanidoferrat(III) fotosensibilisiert. Dieses auch als Eisenblaudruck bekannte fotografische Verfahren, ermöglichte der Künstlerin völlig neue Spielräume. Da die gemischte Lösung auf UV-Licht reagiert und das zu belichtende Material somit bis zu dem Moment der gewünschten Reaktion von Sonnenlicht fernzuhalten ist, ergaben sich für die Künstlerin durch ihre Experimente mit Cyanotypie feste und ungewöhnliche Arbeitszeiten: Über Wochen hinweg abeitete sie in Nachtschichten. Mit Tagesanbruch kam die Sonne ins Spiel und sorgte – je nach Dauer ihrer Einstrahlung – für eine kräftige oder zarte Farbgebung.

Mit dem Phänomen der Belichtung experimentierte sie ganz bewusst und erarbeitete eine Reihe Cyanotypie-Bücher, die, dadurch dass sie nach der Belichtung nicht fixiert wurden, durch die hohe Lichtempfindlichkeit nur nachts betrachtet werden konnten. Zacharias Faszination für die Schönheit einfacher Gegenstände ist in der Motivwahl ihrer Cyanotypien deutlich erkennbar. So bleibt beispielsweise in ihrer Werkserie "Keys" das Motiv, ein alter Schlüssel, stets das gleiche. Die Wirkung ändert sich nur durch die unterschiedlichen Farbgebungen und die verschiedenen Mischverhältnisse der verwendeten Lösungen. „Ein Löffel oder ein Stuhl begeistern mich nunmal mehr als ein Smartphone“ so die Künstlerin mit Vorliebe für das Analoge.


In ihren neuesten Arbeiten widmet sich Zacharias der „Monotypie“, einer besonderen Drucktechnik bei der pro Motiv nur ein einziges Exemplar gedruckt werden kann. Die Künstlerin zeichnet hierbei, statt auf Leinwand oder Papier, mit Tinte (in ihrem Fall Gouache) auf Glas. Mit einem Papier wird im Anschluss von der noch nassen Farbe ein Abdruck genommen. Durch die Begeisterung für Sagen, Mythen und Märchenerzählungen entdeckt Constanze Zacharias in ihren eigenen Bildern im Anschluss an das Drucken schemenhafte Figuren. Diese arbeitet sie durch erneutes Zeichnen heraus, sodass sie auch den Betrachter*innen erscheinen. Und doch verzichtet sie bewusst auf Schärfe und eindeutige Lesbarkeit. Der schemenhafte Charakter ihrer kleinformatigen Bildwelten ermöglicht verschiedenste Lesarten. So können Fabelwesen, Traum- und Götzengestalten oder Waldlandschaften allenfalls erahnt werden. 

Ebenso wie sich Zacharias künstlerische Arbeiten zu gleichen Teilen aus bewusster Zusammenstellung und Zufall ergeben, erkundet sie auch den Bereich der Musik. Sie ist Teil eines Jazz-Trios, sie unternimmt Ausflüge in die elektronische Richtung und ist genauso offen für Improvisation oder die Vertonung von Ausstellungen und Filmen. Ergänzt wird Constanze Zacharias Werkzeugkasten des Schaffens noch durch eine weitere künstlerische Ausdrucksform – der Sprache. Sie verfasst eindrucksvolle (Song-)Texte und Gedichte auf deutscher und englischer Sprache.


Zurück zur Ausgangsfrage: „(...) ist die überhaupt was?“  (Zitat) 

Die Antwort liegt nahe: Zacharias ist Gastgeberin. Dichterin. Musikerin. Fotografin. Bildende Künstlerin. 

Als solche steht sie - wie viele andere künstlerisch produktive Menschen auch - immer wieder vor der  Herausforderung, ihre Vielfältigkeit als Fähigkeit und Stärke wahrzunehmen. Hierzu gehört nämlich der Mut, daran zu arbeiten, dass die erlernte und ausgeübte Fähigkeit - unabhängig davon in welcher Form sie sich ausdrückt - man selbst ist.

Ausstellungen von Constanze Zacharias

Vita

Constanze Zacharias lebt und arbeitet in Karlsruhe und Weimar

Ausstellungen (Auswahl)

2019

Nordbecken Festival, Gruppenausstellung | Nordbecken | Karlsruhe „Bauhaus-Spelunke“ 100-Jahre Bauhaus-Fest | Weimar

2018

„Rot rot Blut – eine Fahne macht noch keine Revolution“ | Kohi | Karlsruhe

2017

„Blauer Abend“, Einzelausstellung und Vortrag „Cyanotypie“ | Kohl | Karlsruhe "UND#9", Gruppenausstellung mit Nemanja Sarbajic und Daniel McCarthy Clifford Nordbecken Festival, Gruppenausstellung mit Bastian Börsig, Nemanja Sarbajic u.a. | Nordbecken | Karlsruhe

2016

„Liquid, solid, gas“, Gruppenausstellung mit Tobias Talbot u. Jürgen König | Mia Weinberger Haus | Karlsruhe

2015

"UND#8", Gruppenausstellung „One always gets lost“, Ausstellung mit Kerstin Kollhoff | Luis Leu | Karlsruhe „Prost Mahlzeit“, Texte und Illustrationen | Brot und Kunst Verlag

2014

Nordbecken zu Gast im Technologiepark Karlsruhe, Gruppenausstellung

2013

„Wer zurück bleibt wird zurück gelassen“, Ausstellung in Kooperation mit dem Kunstvereinen St. Pauli & Heidelberg | Heidelberg

2012

Künstlergruppe „Alte Apotheke“ wird zu „Nordbecken Kollektiv“

2010

„Alte Apotheke zu Gast in der Galerie Suciu“ | Ettlingen

2004 - 2012

„Alte Apotheke“, Gruppenausstellungen mit Tobias Talbot u. Nemanja Sarbajic | Karlsbad

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Hochwertige Objekte mit künstlerischem Wert können zu einem niedrigen Preis erworben werden. Sie wurden von den Künstler*innen kreiert und ausgewählt. Wir nennen sie „Atofakte“


Ein Atofakt kann man ab einem Betrag von 50 € bestellen, 85 % des Erlöses gehen direkt an die Künstler*innen. Dies ermöglicht Euch die künstlerische Arbeit zu unterstützen, ohne ein Kunstwerk zu kaufen.


Bitte gebt bei eurer Anfrage den gewünschten Betrag (ab 50 €) an.

Atofakte