Hannah Cooke


Die 1986 in München geborene Künstlerin Hannah Cooke setzt sich mit den Strukturen und Erwartungen an unsere Gesellschaft auseinander. Wie können Normen aufgebrochen werden? Auf welchen Machtstrukturen bauen unsere Systeme auf? Wer sind die „Big Player“? Cooke beobachtet, recherchiert, analysiert und schafft neue Zusammenhänge. Ihre Arbeit regt zum Nachdenken und Hinterfragen an, oft mit einem Augenzwinkern. Dafür nutzt sie unterschiedliche Formate wie Performance, Installation, Fotografie und Videokunst. Derzeit lebt und arbeitet Hannah Cooke in Paris, wo sie am Residency Programm der Cité Internationale des Arts Paris teilnimmt.

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Kunstwerke

Ada vs. Abramović
2018, 16:9, Ab 50€

Ada vs. Emin
2018, 16:9, Ab 50€

This is a PHOTOGRAPH
2011, je 100x70cm, 16:9, Ab 50€

You’ll never walk alone
2016, Ø 6,5 cm; 5,5 mm (Stärke) , 750€

ÜBER DIE KÜNSTLERIN HANNAH COOKE


von Norina Quinte


Das Interesse für Fotografie und ihre Neugierde auf künstlerische Ausdrucksformen, führten Hannah Cooke an die Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Ein Ort in der Tradition der Bauhausschule, mit Schwerpunkt auf interdisziplinärem Arbeiten und (neuen) Medien. Insbesondere die Fachübergreifende Arbeitsweise prägte Cookes künstlerischen Werdegang und ließ sie über die Jahre eine klare Vorgehensweise entwickeln: so steht am Anfang sämtlicher Werke bei Hannah Cooke eine Beobachtung, ein Konzept, der Inhalt. Davon ausgehend findet sie das für sie zutreffende Medium – von Performances oder Installationen bis hin zu Objekten. Die ausgeprägte Freiheit ihrer künstlerischen Sprache ist charakteristisch. 


Wichtiger Bestandteil ihres Schaffens: Hannah Cooke ist eine wache Analytikerin. Mit scharfem Blick setzt sie sich mit dem Zustand unserer (westlichen) Institutionen und gesellschaftlichen Phänomene auseinander. „Die zentralen Themen meiner Arbeit sind Institutions- und Hierarchiekritik, die Unterwanderung von Systemen, sowie das Aufbrechen festgelegter Normen und Rollenverständnisse.“ so die Künstlerin. Ohne eine zynische Haltung einzunehmen, macht sie auf Zu- und Missstände aufmerksam. Hierbei gelingt der Künstlerin ein anspruchsvoller Balance-Akt; sie schult ihre Betrachter*innen durch die Auseinandersetzung mit ihren Arbeiten einen eigenen (kritischen) Blick zu entwickeln, ohne aber einen konkreten Lösungsvorschlag anzubieten. 


Ein wiederkehrendes Element in Cookes Schaffen, ist die Auseinandersetzung mit bereits existierenden künstlerischen Arbeiten. So übernimmt sie zum Teil, fremdes Material und setzt sich hierdurch u.a. mit der Frage nach Kopie und Original auseinander. Die Aneignung und zugleich der Bruch von (künstlerischen) Traditionen spielen hier eine große Rolle: Die Arbeit "This is a PHOTOGRAPH" aus dem Jahr 2011 zeigt Hannah Cooke während einer Aktion in einem Ausstellungsraum, bei welcher sie die Arbeit „facsimile“ der Künstlerin Nancy Holt gegen eine eigene, fast identische Kopie austauscht. Indem sie die bereits bestehende Fotoarbeit um eine weitere Ebene/Zeile ergänzt, spielt Cooke einerseits mit institutionellen Strukturen, andererseits macht sie deutlich, dass eine stetige Erweiterung des Bildes von Holt nicht nur gedanklich, sondern auch praktisch möglich ist. Die Sehgewohnheit der Betrachter*innen wird hier subtil auf die Probe gestellt; die Erweiterung der Arbeit ist so sensibel vorgenommen, dass lediglich ein*e Kenner*in dieser Arbeit die Veränderung feststellen würde - wenn überhaupt. 


Auch in ihren Arbeiten "Ada vs. Emin" und „Ada vs. Abramović“ von 2018 baut Cooke bereits bestehende Werke nach und erweitert diese inhaltlich wie visuell. Cooke, selbst Mutter einer Tochter, hinterfragt hier das Mutter- und Frauenbild in der Kunstwelt. Für Marina Abramović und Tracey Emin, beide Ikonen der Performance - und Installationskunst, widerspricht sich Mutterschaft und Künstlerberuf, worüber sich beide in verschiedenen Statements deutlich – gar abfällig – äußern. 

Hannah Cooke antwortet: akribisch reproduziert sie zwei Arbeiten von Abramovic und Emin in einem Filmstudio und setzt sich selbst, ihre Tochter Ada stillend, ins Bild hinein. Indem Cooke mit ihren Kolleginnen Emin und Abramovic einen Dialog auf Augenhöhe eingeht, schafft sie es, ohne bewusst zu provozieren, bestehende Umstände sichtbar zu machen.


Nicht nur das Konstrukt etablierter Kunstschaffender beleuchtet Hannah Cooke, auch spielen z.B. die großen „VIPs“ und „wichtigsten Persönlichkeiten“ des Kunstmarkts eine Rolle. So lässt sie in der Arbeit „Bruised Egos and small Heads“ aus dem Jahr 2015, die in Zusammenarbeit mit ihrer Künstlerkollegin Carmen Donet Garcia entstand, ein Puppentheater des Kunstmarkts stattfinden, welches die Willkür des Kunstsystems offenbart und die Geschlechterungerechtigkeit. Das ca. 5 minütige Video zeigt 2 Kinder beim Kasperletheater Spielen, allerdings nicht mit gewöhnlichen Spielfiguren sondern mit Fotografien auf Schaschlikspießen, die eine Auswahl der mächtigsten Personen aus der Kunstwelt (laut Art-Review-Magazine) darstellen. Das gnadenlos ehrliche Kinderspiel und die Unkenntnis über die Herkunft oder den Hintergrund der Figuren, ergeben ein bitteres, gleichzeitig aber humorvolles Bild, das genau durch seine (kindliche) Authentizität und Nicht-Inszenierung eine eindeutige Wahrheit offenbart und die Absurdität des Systems auf die Spitze treibt. 


Cooke, die viel Wert auf Zusammenarbeit und Dialog mit Kolleginnen und Kollegen legt, arbeitet (ob alleine oder im Team) beeindruckend konsequent. Ernsthaft und humorvoll zugleich, tastet sie sich an Themenfelder heran, beleuchtet, analysiert, zerlegt und fügt zusammen – nie ohne dabei die Ästhetik ihrer Arbeiten außer Acht zu lassen.

Ausstellungen von Hannah Cooke

Vita

2016

Diplom in Medienkunst | Hochschule für Gestaltung | Karlsruhe

2011/2012

Studium Artistic Research | Universität von Amsterdam (NLD)

1986

geboren in München

Preise / Stipendien

2019

Residency Cité Internationale des Arts Paris (FRA)

2018

Mother Art Prize 2018 (Shortlist) Artist Residency in Motherhood

2015

Preis von der Gesellschaft zur Förderung der Kunst und Medientechnologie e.V./ZKM für das feministische Kollektiv FAK

Ausstellungen (Auswahl)

2019

"Mother Art Prize" | Mimosa House | London (GBR)

2018

"Mitgliederausstellung" | Badischer Kunstverein

2017

"Perceiving the non human I" | Parkhaus im Malkasten Park | Düsseldorf "Perceiving the non human II" | V8 | Karlsruhe

2016

"Beyond" | ZKM & HfG | Karlsruhe "In the Open" | Kleine Humboldt Galerie | Berlin

2015

"22. Bundeswettbewerb" | Bundeskunsthalle Bonn "31.2 laufende Meter" | Badischer Kunstverein "Hängung #1" | GersonHöger Galerie | Hamburg "International Bed-in" | Zwischenraum | Karlsruhe

2014

"Olohuonenäyttely" | Pengerkatu 19 | Helsinki "Regionale 15" | Künstlerwerkstatt L6 | Freiburg

2013

"Means To An End" | Cité, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden "Means To An End" | D21 | Leipzig "Means To An End" | Kreuzbergpavillon | Berlin

2012

"Regionale 13" | Kunstverein Freiburg "Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube" | Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

2011

"Confess giddiness" | Galerie Anna Klinkhammer | Düsseldorf "Carte blanche Artforum" – Künstlerkreis Ortenau | Offenburg

Vorträge und Seminare

2016

„Caring Resistance“ Workshop mit Seraphine Meya | Kunstakademie Kassel „Sleeping Resistance“ Seminar von Seraphine Meya und Hannah Cooke | HfG | Karlsruhe „Challenging Collectivity“ Vortrag Postgraduierten Kongress der Universität Frankfurt „Stadt Gestalten/ Creating Cities“ Vortrag | die Anstoß | Karlsruhe

2015

„Body of Work“ Vortrag | V8 | Karlsruhe „Body of Work“ Vortrag | Lothringer 13_Florida | München

Publikationen und Kataloge

2015

“Body of Work”, Hg.: FAK | Karlsruhe (P) “Kunststudentinnen und Kunststudenten stellen aus” | Bundeskunsthalle Bonn (K)

2013

„K.“, Haid-und-Neu-str.6, Hg: Angela Stiegler | Berlin

2012

“Versal 10”, Hg.: Megan M. Garr | Amsterdam (P) Welch schöne Utopie, Wilhelmspalais, Stuttgart (K) dOCUMENTA (13)Kritik, Kunstwissenschaft & Medientheorie HfG Edition, Hg.: HfG | Karlsruhe (P)

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Atofakte

Special Edition Love Box
, 2013