Sibylle Wagner


Sibylle Wagner ist Malerin, Installations- und Performancekünstlerin. 1981 ließ sie sich als freischaffende Künstlerin in Karlsruhe nieder, wo sie die erste Karlsruher Produzentengalerie gründete. Bis 1986 arbeitete sie in einer Ateliergemeinschaft in Ettlingen, die sie ebenfalls gegründet hatte (heute Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen e.V.). 1987 heiratete sie den Maler Lothar Quinte, mit dem sie von 1985 bis 1994 die Wintermonate in Indien verbrachte um dort zu arbeiten. Merkmal ihres Arbeitens ist die Auseinandersetzung mit Licht und Transparenz. Ihre Materialien variieren, so sind in den letzten Jahrzehnten etliche „Lichtmalereien“ in Verbindung mit Plexiglas und/oder Röntgenaufnahmen, wie auch Installationen oder Bronzearbeiten entstanden. Sie lebt und arbeitet in Berlin (DEU) und Wintzenbach (FRA).


Kunstwerke

Rotierende Tänzerin
2010, 30x18 cm , 3000€

X-ray landscape
2012, 90x200 cm , 12000€

x-ray Lungenflügel
1989, 240x180 cm, variabel , 20000€

Großer Weissraum
1997, 12000€

Videos

Sybille Wagner - Atelierbesuch

Film und Schnitt Martin Mannweiler, Interview Elisabeth Kuon

LEUCHTENDES NICHTS

ÜBER DIE ARBEIT VON SIBYLLE WAGNER


von Elisabeth Kuon


Wie soll man über eine Künstlerin schreiben, die mit ihrem Werk den Anspruch erhebt, die ganze Welt zu erfassen?


Die Beschäftigung mit Licht, die Auseinandersetzung mit Liebe und Freundschaft, Fragen zu Religion, das Ausloten des (eigenen) Körpers in Bewegung – all das sind Aktionsfelder, die sich in Sibylle Wagners Arbeiten wiederfinden. Dabei bedient sie sich so unterschiedlicher künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten wie Malerei, Plastik, Fotografie, Collage oder Installation.

Gleichwohl zieht sich ein unverwechselbarer Stil durch ihre Arbeiten, der davon zeugt, dass sich die Künstlerin über Jahrzehnte hinweg treu geblieben ist in ihrem Schaffen und Ausgestalten zentraler Themen; vor allem beim Verfolgen des einen großen Themas – dem suchenden Darstellen des Lichts.


Sybille Wagners Stil ist elegant: streng reflektiert und doch verspielt, abstrakt und doch sinnlich, zurückgenommen – und doch einnehmend. Auch wenn diese Bezeichnungen zumeist als gegensätzlich verstanden werden, vereint die Künstlerin diese wie selbstverständlich und schafft es, verschiedene Materialien miteinander zu einem ausdrucksstarken Ganzen zu verbinden; so können Fotografie, Acrylfarbe und Plexiglas in einem Werk problemlos zusammenfinden. Diese prinzipielle Aufgeschlossenheit gegenüber andersartigen Materialien, das Verarbeiten von Themen, die intensiv und über lange Zeit verfolgt werden und dennoch mit einer kindlichen Offenheit, ja einer nie nachlassenden Experimentierfreunde um weitere Studien ergänzt werden, zeugen von einer Künstlerpersönlichkeit, die sich als wahre Freundin des Lebens in all seinen Erscheinungen erweist. Sibylle Wagner nimmt das Leben in all seiner Widersprüchlichkeit an, observiert es, um es dann bildnerisch zu erzählen.

Auch wenn sich ihre Kunst für ernsthafte Themen engagiert und politische, menschliche, auch philosophische Fragestellungen aufgreift wie die nach dem Wesen von Freundschaft und Liebe, äußert sie sich doch überwiegend in abstrakten und reduzierten Formen und Objekten.


Viele ihrer "weißen Arbeiten" wirken aus der Ferne vielleicht sogar banal; als handle es sich um Flächen mit weißem Bildgrund. Kommt man dem Kunstwerk näher, macht man die Entdeckung, dass sich hinter der weißen, vermeintlich planen Fläche, weitaus mehr verbirgt. Mal kann man Zitate darin entdecken, mal einen Hauch von nicht-weißer Farbe, ausgewogene Kurven, wie man sie in Landschaften oder menschlichen Körperrundungen findet; eben die klassisch schönen Formen, wie Maler*innen sie seit Jahrhunderten in der Bemühung um Harmonie nach Vorbildern in der Natur nachzuahmen und wiederzugeben suchen. Vor allem aber stellt sich durch ein raffiniertes Spiel aus Farbe, Form und Materialschichten der Eindruck räumlicher Weite ein – wobei eine Sogkraft die BetrachterInnen in das Bildinnere hinein zieht und ihnen eine Tiefe eröffnet, deren Abschluss offen bleibt und in einen unendlichen weiten Raum überzugehen scheint. Gerade durch diese vermeintliche Abwesenheit, diese gesteigerte Zurückhaltung durch das weiße Bild, ermöglicht es die Künstlerin, dass sich uns ein Raum hinter dem Bild eröffnet: eine Welt, die hinter der Bildwelt liegt, eine Erzählung hinter der Erzählung. Weiß scheint die geeignete Farbe dafür zu sein: denn im physikalischen Sinne verkörpert weiß die Summe aller Farben.


Wie die einzelnen Teile dieser Summer aussehen können, wird in Sibylle Wagners Kreuzblock deutlich. Lichtplastiken aus Radiant-Plexiglas führen uns vor Augen, in welchen Farben Licht in Erscheinung treten kann. Diese Stele nimmt das Licht aus der Umgebung auf, innerhalb des Plexiglaskörpers kommt es zu Lichtbrechungen, sodass der Körper – vollgesogen mit Licht aus seiner Umgebung – eine aus sich heraus leuchtende Wirkung erzielt. Je nach Platzierung des Körpers, das heißt vor welchem Hintergrund er (er)scheint beziehungsweise welche Farben aus der Umgebung bei dem Lichtspektakel „mitspielen“ dürfen und je nachdem, wie stark die Sonne oder eine elektronische Lichtquelle auf die Skulptur einwirkt, werden unterschiedliche Farben betont. Im Plexiglaskörper sind die Folienschichten- und schnitte so angelegt, dass eine T-Form entsteht, die in sich noch einmal kleinere Segmente aufweist; dies lässt uns als Betrachter*in besonders gut nachvollziehen, wie vielgestaltig die Erscheinung von Licht sein kann. Als ein auf diverse Lichtverhältnisse reagierendes Werk führt es uns besonders gut vor Augen, wie lebendig und wie flexibel dieser vermeintlich starre klotzartige Körper ist. In der Art von uns Menschen ist auch dieser Lichtkörper stets im Wandel begriffen und dem Lauf der Zeit unterworfen. Die Fähigkeit zum Wandel und die Fähigkeit, Elemente aus unserer Umgebung aufzunehmen, machen diesen akkuraten Block nicht nur zu einer belebten, sondern vor allem zu einer auf seine Umwelt verwiesene und verweisende lebhafte Plastik.


Die symbolträchtige und leuchtkräftige Wirkung von Plexiglas ist sicherlich einer der Gründe dafür, dass dieses Material Sibylle Wagner bereits seit den frühen 1990er-Jahren begleitet. Viele ihrer Bilder erhalten durch den Einsatz lichtsammelnden Plexiglases eine derart immense Leuchtkraft, dass man als Betrachter*in versucht ist, ein elektronisches Leuchtmittel im Bild zu vermuten. So gelingt es der Künstlerin mit den ihr zu Verfügung stehenden Mitteln, eine Welt zu erzeugen, die unsere Welt in sich aufnimmt und in mehrfacher Hinsicht reflektiert. Das Besondere daran ist, dass die Künstlerin uns Betrachter*nnen als Mitschaffende in ihr Tun einbezieht und so ihren Blick auf die Wirklichkeit mit uns teilt: denn Licht ist immer da, nur muss man die Chance ergreifen können, im bloßen Licht, das Farbige auszumachen. Die Künstlerin lässt aus dem „Nichts“ etwas Gleißendes und Sprechendes werden, indem sie industriell gefertigtes Material so einsetzt, dass es uns ins Staunen versetzt und geradezu sakral anmutet (wie wir es in Kirchenfenstern erleben können). Denn, wie Wagner selbst betont, liegen das Banale und das Erhabene erstaunlich und überraschend nah beieinander. 

Ausstellungen von Sibylle Wagner

Vita

seit 2003

2. Atelier in Berlin

seit 1987

Atelier in Wintzenbach (FRA)

1985 - 1994

jährliche (dreimonatige) Arbeitsaufenthalte in Indien zus. mit ihrem Mann, Lothar Quinte (1923 –2000)

1981 - 1987

Gründung der „1. Karlsruher Produzentengalerie“

1981

Atelier für Malerei und Performances in Karlsruhe

Ausstellungen (Auswahl seit 1990)

2019

"zeitgenössische Porträts von SW" | Kommunale Galerie Berlin-Wilmersdorf

2018

"monbleumontblancmonrouge" | Museum Villa Haiss | Zell a.H.

2017

Lothar Quinte und Sibylle Wagner | Museum artplus | Donaueschingen

2014

„Jenseits von Effi Briest, zeitgenössische Porträts von Sibylle Wagner" | Potsdam Museum

2014

„PleXi“-farbige Plexiglasarbeiten aus 20 Jahren | Galerie Schrade | Karlsruhe

2014

„x-ray“, Arbeiten mit Röntgen Filmen aus 20 Jahren | Galerie „arthea“ | Mannheim

2013

Schriftbilder aus 20 Jahren | Galerie Kunstbüro | Berlin

2012

Denkerei Bazon Brock | Berlin

2010

Kreuz für St. Matthäus | Berlin

2002

„c’est si simple“ | Malerei, Performance, Video im CEAAC | Strasbourg (FRA) (EA, K)

1999

Hanna-Nagel-Preis 1999 | Badischer Kunstverein | Karlsruhe (K)

1997

“zwielicht” | Video-Arbeit im Museum für Neue Kunst, ZKM | Karlsruhe

1992

Galerie am Stadtmuseum | Düsseldorf (EA, K)

1990

Goethe-Institut | Bombay (IND) (EA)

Preise (Auswahl)

2008

ENBW (Energie Baden-Württemberg)

2002

Kunstpreis der Museumsgesellschaft Ettlingen (Publikumspreis)

1999

Hanna-Nagel-Preis | Karlsruhe

1989

1. Preis für Malerei “le rendez-vous de l’imaginaire” | Wissembourg (FRA)

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Hochwertige Objekte mit künstlerischem Wert können zu einem niedrigen Preis erworben werden. Sie wurden von den Künstler*innen kreiert und ausgewählt. Wir nennen sie „Atofakte“


Ein Atofakt kann man ab einem Betrag von 50 € bestellen, 85 % des Erlöses gehen direkt an die Künstler*innen. Dies ermöglicht Euch die künstlerische Arbeit zu unterstützen, ohne ein Kunstwerk zu kaufen.


Bitte gebt bei eurer Anfrage den gewünschten Betrag (ab 50 €) an.

Atofakte

Offsetdruck Röntgen
70x70 cm
, 2006