Von Silberland


Der Name Von Silberland weist darauf hin, dass der Künstler ursprünglich aus Argentinien kommt (Argentina, lateinisch: Silberland). 1988 in Buenos Aires geboren, setzte sich Von Silberland zu beginn intensiv mit Musik auseinander. Anschließend kam er nach Deutschland, um Freie Kunst zu studieren. An der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe schloss er sein Diplom (2018) wie auch seinen Meisterschulabschluss (2019) bei Markus Vater ab. Hauptmerkmal seines Werkes sind fotografische Studien, die sich an der Schnittstelle von Absurdität, Humor und Ernsthaftigkeit bewegen. Von Silberland lebt und arbeitet in Karlsruhe.

Kunstwerke

Pong and Chairs
2020, 30x40 cm, 200€

Pong and Chairs
2020, 40x30 cm, 200€

Pong and Chairs
2020, 40x30 cm, 200€

A bad piece of art is better than a bad piece of cake
2020, 30x40 cm, 200€

ENDE, UND WARUM DAS ENDE MIT ENDE VIELLEICHT DOCH EIN GUTER ANFANG IST.

ÜBER DIE ARBEIT VON VON SILBERLAND -


von Norina Quinte


Bevor ich in Kontakt mit der Person Von Silberland kam, machte ich bei einer Ausstellung Bekanntschaft mit seiner Arbeit MATRIX, DER LÖFFEL UND WARUM DAS ENDE OHNE ENDE DAS BESTE ENDE IST. Eine Serie, die in mir verschiedenste Assoziationsräume eröffnete. Analog fotografierte Studien, die Auseinandersetzung mit dem Alltagsgegenstand Löffel, ein Sockel, ein leerer Raum, eine durch Licht gesetzte Bühne, ein Mann in jungenhaftem Aussehen, den Sockel anbetend, auf ihm hängend, dann wieder ein verlassener lehrer Sockel mit Löffel im Hohlraum. So viel sich auch eröffnete, ebenso viel blieb inhaltlich verborgen, verweigerte geradezu eine eindeutige Lesbarkeit.

Woran ich dachte? Nicht zuerst an die Offensichtlichkeit des Titels, der auf den Film „Matrix“ anspielt, ein Science-Fiction Klassiker der Filmgeschichte, der – für das Genre recht unüblich – theologisch-philosophische Betrachtungen umkreist. Der Löffel, der im Film eine durchaus interessanten Auftritt hat, sollte an dieser Stelle dennoch Erwähnung finden. So ist im Film Matrix, der Löffel Symbol für die Hinterfragung von Wahrheiten. Die Hauptfigur trifft in einer Szene auf ein Kind, das die Fähigkeiten besitzt einen Löffel durch eigene Gedankenkraft zu verbiegen. Der Junge und sein Gegenüber halten folgenden Dialog: „Versuche nicht den Löffel zu verbiegen, das ist nämlich nicht möglich. Versuche dir stattdessen einfach die Wahrheit vorzustellen." - „Welche Wahrheit?" - „Den Löffel gibt es nicht" - "Den Löffel gibt es nicht?" - "Dann wirst du sehen, dass nicht der Löffel sich biegt, sondern du selbst."


Hinterfragung von Fiktion und Realität, die Suche nach einer vermeintlichen Wahrheit hinter den Dingen ist sicherlich ausschlaggebend für die (Selbst-)Studien Von Silberlands. Indem sich der Künstler selbst als Motiv in sein Setting hineingibt und hier zum Beispiel einem klassischen Museumssockel hinzuzieht, rückt die Auseinandersetzung mit Wahrheit in einen künstlerischen Kontext. So schien mir – kehren wir zu meinen unvoreingenommenen Erstkontakt mit seinem Werk zurück – eine Hinterfragung des Kunstsystems und dessen Deutungsansprüchen enthalten zu sein. Die Anbetung und Inszenierung des Sockels, gepaart mit der Absurdität eines krummen, fast belanglos wirkenden Löffels verweist auf Bedeutung und Fiktion der Kunst selbst. Durch das Aufeinandertreffen der düster anmutenden schwarz-weiß Fotografie auf den doch humorvollen Inhalten, gelingt es Von Silberland Ambivalenz zu erzeugen. So kann man sich als Betrachter*in schwer entscheiden ob das beklemmende Gefühl der Bildästhetik oder der humoristische Ansatz seiner Arbeit überwiegt.


Genau diese beiden Ebenen machen die Arbeiten des Künstlers aus. Charakteristisch für all seine Studien ist nicht etwa nur die Auseinandersetzung mit der eigenen (Künstler-)Figur wie in seinem Werk METAMORFOSIS, sondern das bewusste Erzeugen einer Bruchstelle, die sich zwischen Absurdität, Komik und Ernsthaftigkeit verorten lässt. Womöglich lassen sich diese Aspekte im heutigen, (digitalen) Zeitalter kaum noch voneinander trennen, sind doch viele festgehaltene Momente, mögen sie noch so sehr eine vermeintliche Wahrheit verkörpern, durch ihre Konstruktion absurd und bitter zugleich. Die Konstruktion und somit Komposition spielt bei Von Silberlands Serien eine ebenfalls wichtige Rolle. Die Begeisterung für Komposition, die durch seine Leidenschaft zur Musik entstanden sein mag, schlägt sich in der Rythmik und der Anzahl seiner Fotografien wieder. Von Silberland denkt in Serien. Kein Bild steht alleine, erst die verschiedenen Bildanteile lassen seinen Arbeits- und Gedankenablauf nachvollziehen. In seiner Arbeit BREAKING NEWS ALERT treibt er das Spiel mit konstruierten Bildinhalten auf die Spitze: So zeigt ein Foto seiner Serie zum Beispiel einen Fernseher, auf dem ein Nachrichtenkanal zu sehen ist. Angepriesen wird ein exklusives Interview, nicht aber mit einer bedeutenden Persönlichkeit, sondern mit einem Stück Kuchen. Der eingeblendete Text besticht durch seinen Witz: „cake speaks for the first time“. Nach erstmaligem schmunzeln überkommt einem dann doch der Gedanke an den Wahrheitsgehalt von Nachrichten und mitunter deren bedeutungslosen Inhalten.

Wo ist Komik am ehesten zu Hause? Im Spiel. Und dieses Spielen ist Von Silberland ausgesprochen wichtig.


Als ich ihn bat, mir ein kurzes Statement zu seiner Arbeit zu schicken, schrieb er mir einen Text, den ich an dieser Stelle gerne veröffentlichen möchte. Beim Lesen lässt sich der Mensch hinter seiner Arbeit nämlich leise erahnen. So dient Von Silberlands Kommentar in diesem Essay als Höhepunkt und als Ende. Ein Ende, das gleichzeitig ein Anfang sein könnte, so absurd es erscheinen mag.


„Die Basis meiner Arbeit sind die Improvisation und das Absurde. Diese zwei Dinge begleiten mich seit ich ein Kind war. Das Improvisieren habe ich dank der Musik entdeckt und entwickelt. Ich habe dadurch als Kind gesehen, wie man aus Allem etwas machen kann. Das Absurde kam zu mir durch TV Sendungen und das Theater aus Argentinien, den USA und England. Ich habe das Gefühl ich kann alles nehmen was ich sehe und daraus eine "Arbeit" machen. Ich sehe es eher wie ein Spiel, nicht wie eine Arbeit. Ich spiele gerne mit Sachen, ich stelle mir ständig Sachen vor, egal wann und wo. Ich sitze in der Sbahn und vergesse auszusteigen weil ich in diesen Gedanken bin. Diese Feuerwek-ähnliche Reaktionskette von Bildern setze ich dann meistens mit der Kamera um. Aber ich sehe mich nicht als Fotograf. Ich arbeite mit dem Medium, weil es das effizienteste ist, um meine Bilder zu zeigen."

Ausstellungen von Von Silberland

Vita

Von Silberland lebt und arbeitet in Deutschland

2019

Meisterschüler bei Markus Vater und Magnus Plessen | Akademie der Bildenden Künste | Karlsruhe

2018

Diplom, Freie Kunst, bei Markus Vater | Akademie der Bildenden Künste | Karlsruhe

1988

geboren in Buenos Aires

Ausstellungen (Auswahl)

2019

"der Blick der Jungen" | Altes Dampfbad | Baden Baden

2019

"TOP 19" | Städtische Galerie Karlsruhe | Karlsruhe

2019

"Verkaufe gelbes U-Boot, selten benutzt" | Luis Leu | Karlsruhe

2019

"Profile" | Blech | Halle an der Saale

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Atofakte

The private potatoe collection
60x42 cm
, 2020